Liebe in ihrem spirituellen Erblühen macht keine Unterschiede mehr. Wahre Liebe liebt um des Liebens willen. Ich bin einfach voll LIebe, die ich immerzu teile.

Ich muss mich wieder trauen, zu zweifeln, wirklich zu leben, aus dem Herzen heraus zu sein. Mir wird immer ganz übel, wenn ich so kleine, zugeschnittene Bonsaibäumchen sehe. Es macht mich traurig, einen großen, freien Baum so beschnitten und in eine rigide Form gezwängt zu sehen. Aber genau das passiert mit mir. Genauso sind meine Eltern vergewaltigt worden, genauso haben sie mich vergewaltigt. Als junger Mensch bin ich beschnitten und geformt worden. Aber jetzt bin ich es selbst, der die Schere ansetzt und mein eigenes Wachstum beschneidet. Ich werfe Schere und Draht weg und sprenge mein enges Töpfchen, dann wird aus dem Bonsai wieder ein echter, großer, wilder und freier Baum!
Ich habe Angst davor, zu sagen: Ich weiß es nicht, Angst, keine Rechtfertigung für meinen eigenen Blödsinn mehr zu finden. Aber es ist leider Fakt: Ich bin dumm! Ich weiß, dass ich mich selbst verloren habe und nur noch eine dumme, unfreie, nachplappernde, funktionierende und angepasste Marionette bin. Ich weiß tief drinnen, dass ich mein Leben auf Sand gebaut habe. Warum auch nicht, denke ich mir, solange keiner zu rütteln und zu graben anfängt, lebt es sich im Treibsand doch ganz gut. Und wer hat mir schon versprochen, dass das Leben Freude und Lust ist? Und außerdem habe ich mir doch so viele tolle Sicherheitsnetze aufgebaut, die mich vorm Versinken schützen. Und das alles, weil ich aufgehört habe, zu denken und zu fühlen, Dinge selbst zu erfahren; weil ich mein Fühlen, meine Herzenssehnsucht, meine Talente, meine Weisheit und Einzigartigkeit verraten habe; weil ich verlernt habe zu zweifeln; weil ich gelernt habe, alle Brocken, die mir hingeworfen werden, schön brav zu fressen – egal ob von der Kirche, dem Staat, den Meinungsführern und Autoritäten, der Esoterik, der Wirtschaft, den Medien, den Schulen und Universitäten. Weil ich etwas sein wollte, statt einfach zu sein. Und weil ich jetzt nicht mehr den Mut habe, alles loszulassen, was ich mir in dieser Scheinwelt so hart erarbeitet habe und was mir Sicherheit, Identität und Anerkennung gibt; weil ich nicht mehr den Mut habe, an meinem Leben, Denken und Glauben zu zweifeln; weil ich nicht mehr den Mut habe, dieses Haus auf Sand zum Einsturz zu bringen; weil ich mich nicht traue, frei zu sein.
Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein. Es wird Zeit, meinen bequemen, warmen Pelz abzustreifen und aus der Herde auszubrechen!!!
Wenn ich mich verändere, verändert sich die ganze Welt. Ich denke nicht darüber nach, wie ich im Außen etwas verändern kann, wie ich die anderen zum Umdenken und zum besseren Handeln bewegen kann oder gar sie retten kann. Ich kümmere mich um mich und um mein Leben! Damit habe ich genug zu tun und nur so kann sich im Großen etwas verändern. Ich werde zum Leuchtturm – und viele kleine Leuchttürme werden zum großen Licht, an dem sich andere orientieren können, wenn sie es möchten. Ich unterschätze meine Macht nicht. Ich kreiere meine Welt. Alle Macht, die ich habe, beschränkt sich auf mich selbst. Dies ist die einzige, aber eine unbeschreiblich große Macht! Und meine Macht beschränkt sich auch auf das Hier und Jetzt. Ich lebe weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft. Ich bin einfach das, was ich mir wünsche – jetzt! Ich kümmere mich nicht um äußere Strukturen und die Gesellschaft. Ich erobere mir meine Freiheit zurück und lebe.
Freiheit ist das oberste Lebensprinzip. Aber mit Freiheit kann ich nur umgehen, wenn ich klar sehen kann, wenn ich wirklich innerlich frei bin von allem – von Glauben, von Moralvorstellungen, von Konzepten von Richtig und Falsch, von der Zugehörigkeit zu einer spirituellen oder politischen Gruppe, einer Nationalität oder Rasse, von Gegenständen und Krücken, von der Vergangenheit und der Zukunft.
Ich zweifle an allem, was mir richtig scheint, an allem, was ich tue und zu wissen glaube, an allem, was ich zu sein scheine, an allem, was ich sehe und höre. Ich zweifle so lange, bis ich an einen Punkt komme, wo nichts mehr ist, wo ich mich an nichts mehr klammern kann. Dann bekomme ich eine Ahnung von meinem wahren Selbst, dann erst werde ich langsam immer freier. Wer bin ich, wenn es keinen Gott gibt, wer bin ich, wenn es keine Regeln und Vorschriften mehr gibt, wer bin ich ohne meinen Besitz und meine Diplome, wer bin ich, wenn es keine Engel, keine Chakren, keine früheren Inkarnationen gibt, wer bin ich ohne meine anerzogene Moral, Gebote und Wertvorstellungen, wer bin ich, wenn es keine Etiketten und Schubladen mehr gibt, wer bin ich ohne all das vermeintliche Wissen über die Welt, das man mir eingetrichtert hat, wer bin ich, wenn man mir meinen Namen, mein schönes Gesicht und meinen Körper nimmt, wer bin ich, wenn ich von meinem Partner, meinen Eltern oder Kollegen nicht mehr geliebt werde. Wer bin ich, wenn nichts mehr ist, was mich und meine Welt definiert und ausmacht? Ich habe den Mut, meine ganze Welt zum Einsturz zu bringen. Sie ist sowieso nichts als eine Scheinwelt. Ich falle in ein tiefes Loch, in eine tiefe Depression, aber nur indem ich mich verliere, kann ich mich wirklich finden.
Frei kann ich nur werden, wenn ich mich von allem frei mache, besonders von dem, was mir am meisten Sicherheit bietet. Ich werfe mein angelesenes Wissen weg, es ist nichts wert! Ich werfe meinen Gott weg, der mir Sicherheit, Trost, Führung und Sinn gibt. Glaube ist das Gegenteil von Taoismus. Taoismus ist ein anderes Wort für Freiheit. Den Weg des Tao zu gehen, heißt, sich nach und nach von allem frei zu machen und alle Sicherheiten, alles Wissen, allen Glauben, alle Konzepte und alle Hilfsmittel loszulassen. Ich soll weniger werden, nicht mehr! Ich soll freier werden, nicht noch unfreier!

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