Die Existenz schickt mich immer wieder zurück bis ich die Prüfung bestanden habe, bis ich verstanden habe. Dann löst sich mein Wesen in das Ganze auf.

September 25, 2015

Niemand kann mich erlösen, denn ich habe keine Sünde begangen. Ich brauche nicht erlöst zu werden.
Ich habe auch kein Interesse an einer idealen Gesellschaft. Ich gebe diesen Traum auf! Er hat der Welt furchtbare Alpträume beschert. Auf der politischen Ebene lässt sich nichts mehr verändern. Die Politik ist tot. Und wenn ich wählen gehe, ob rechts oder links, dann tue ich es ohne Illusionen.
Ich gebe die Vorstellung auf, dass mir irgendein System die Erlösung bringen könnte. Kein System kann die Erlösung sein – weder der Kommunismus noch der Faschismus noch der Kapitalismus. Keine Gesellschaftsform kann mich erlösen und keine Gesellschaftsform kann ideal sein. Und es gibt auch keinen Erlöser. Ich lasse all diese unsinnigen Ideen von Schuld und Sünde, die man mir eingeredet hat, fallen.
Ich stecke meine ganze Energie ins Feiern. Dann bin ich bereits mein Ideal, hier und jetzt, und muss es nicht erst werden.
Die Ideologien haben ihre Wahrheit eingebüßt und eigentlich hatten sie nie eine Wahrheit. Sie haben ihre ganze Überzeugungskraft eingebüßt. Nur einige wenige Gemüter glauben noch ernsthaft daran, dass man gesellschaftliche Modelle festlegen und durch soziale Veränderungen eine Utopie gesellschaftlicher Harmonie verwirklichen könne.
Wir leben im Zeitalter totaler Freiheit. Wir sind erwachsen geworden.
Die Menschheit ist den Kinderschuhen entwachsen, sie ist reifer geworden. Wir leben in einer sokratischen Periode: Die Menschen stellen heute all die wichtigen Fragen des Lebens.
Ich hänge mich nicht an irgendein Ideal, ich sehe mich nicht nach irgendeiner Perfektion. Ich verzichte auf alle Ideale und lebe einfach im Hier und Jetzt.

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Weil ich ein Mensch werden will und keine Maschine, löse ich mich von meinen Eltern. Und ich muss gut hinschauen. Das ist mühsame Arbeit, das geht nicht von heute auf morgen.

September 14, 2015
Für den unwissenden Menschen geht Liebe immer einher mit Haß, sie ist nicht vom Haß zu trennen. Für das unwissende Denken sind Haß und Liebe nur die zwei Seiten ein und derselben Medaille. Für das unwissende Denken ist Liebe nie absolut. Und genau darin steckt das Elend der Liebe –  der Haß vergiftet sie. Ich liebe einen Menschen, hasse aber denselben Menschen auch. Nur tue ich beides nicht gleichzeitig, also merke ich es gar nicht. Wenn ich einen Menschen liebe, vergesse ich die Haß-Seite; sie verkriecht sich, verzieht sich ins Unbewußte und wartet dort ab. Und wenn meine Liebe ermattet, fällt sie ins Unbewußte, und die Haß-Seite kommt hoch. Dann hasse ich den selben Menschen. Und während ich ihn hasse, bin ich mir gar nicht bewußt, daß ich ihn auch liebe, jetzt ist die Liebe tief ins Unbewußte abgetaucht. So geht es weiter, genau wie mit Tag und Nacht. So dreht es sich immer im Kreis, bis zur Übelkeit. Ich kann tun, was ich will – das Gegenteil ist nie fern. Meine Liebe ist eine Art Unwohlsein. Das Unwohlsein rührt vom Haß her. Meine Liebe ist eine Beziehung. Wenn ich einen Menschen liebe, ist meine Liebe ein Tun, dann tue ich etwas, benehme mich auf eine bestimmte Weise, gehe eine Beziehung ein, „schlage eine Brücke”. Wenn meine Geliebte nicht bei mir ist, verschwindet die Liebe, ist der Duft nicht da. Sie ist etwas Aktives für mich, ist nicht einfach nur mein Sein. Ich muss etwas unternehmen, um sie zum Vorschein zu bringen. Ich werde ermüden, weil es etwas ist, das ich tue. Wenn ich vierundzwanzig Stunden mit meiner Partnerin zusammen bin, wird ich sie bald satt haben, weil es einfach zuviel Aufmerksamkeit ist. Jedes Tun rund um die Uhr wird mir zuviel.
Ich existiere zwischen Widersprüchen; daher all meine Anspannung, meine Qual, meine Angst. Ich bin nicht eins; ich bin immer zwei. Ich bin eine Vielheit, zersplittert in lauter Fragmente, und zwischen diesen Fragmenten herrscht Bürgerkrieg. Mein Dasein ist eine Dauerspannung. Spannung entsteht zwischen zwei entgegengesetzten Polen und Entspannung liegt genau dazwischen – dort, wo die gegensätzlichen Pole einander nicht mehr bekriegen. Sie heben einander auf – und Transzendenz geschieht.
Im Nicht-Denken verschwindet diese Dichotomie, dieser Dualismus. In allem – nicht nur in Bezug auf Liebe – wird das ganze Leben eins. Dann ist keine Dichotomie mehr da, existiert das Gegenteil gar nicht mehr. Da ist nur noch Liebe, wahre Liebe.
Wahre Liebe ist tiefe Entspannung. Wahre Liebe ist vollkommenes Wohlbefinden. Das Denken hat keinen Anteil daran. Somit handelt es sich bei wahrer Liebe um eine andere Qualität. Wahre Liebe kann nicht heiß sein. Sie ist keine Leidenschaft, sondern Mitgefühl. Sie ist nicht heiß, sondern kühl, ihr fehlt jegliche Hitze. Sie ist nicht wie die Sonne, sie ist wie der Mond. Sie löst keine Leidenschaft aus. Wahre Liebe ist keine Beziehung. Wahre Liebe ist ein Seinszustand. Wahre Liebe ist einfach ein Sein – ich bin einfach nur so, wie ich bin. Wahre Liebe ist wie eine Blume im Garten – ich gehe vorbei und ihr Duft erreicht mich. Nicht daß mir die Blume den Duft speziell herüberschickt … als noch niemand vorbeikam, war der Duft auch schon da. Und wäre nie jemand je vorbeigekommen, wäre der Duft dennoch da.
Und weil wahre Liebe ein Zustand ist, ist es nie eine Anspannung. Es ist ein Da-Sein; es ist genau so, wie wenn ich atme.


All die alten Meditationsmethoden wurden im Osten entwickelt, und so wurde das Denken konditioniert, ein Gleichgewicht beizubehalten im Erfolg und im Mißerfolg.

September 3, 2015

Der Taoismus kann mir helfen, in dieser Welt zu leben – mit mehr Effizienz, mehr Kultur, mehr Liebesfähigkeit -, aber er kann mir auch helfen, in mein Alleinsein einzutauchen und die Welt hinter mir zu lassen. Dann werde ich, selbst während ich in dieser Welt lebe, ständig mit dem Tao in Kontakt sein.Sobald ich zu beidem fähig werde, bin ich bereit, mich in den unendlichen Himmel aufzuschwingen, zu meiner höchsten Bestimmung. Und Therapie kann ihren Teil dazu beitragen.Doch die heutige Psychologie ist noch nicht umfassend genug; sie berührt nur die Peripherie der menschlichen Individualität. Sie bleibt auf das Denken beschränkt. Es ist nicht richtig, sie »Psychologie« zu nennen. Psychologie bedeutet »Wissenschaft von der Seele«, und die gegenwärtige Psychologie ist nicht nur keine Wissenschaft von der Seele, sondern sie leugnet sogar die Existenz der Seele.Aber die Seele zu leugnen, bedeutet, das Bewusstsein zu leugnen, das jenseits des Denkens in uns vorhanden ist… Diese Leugnung ist keine gewöhnliche Verneinung, denn sie spricht dem Menschen seine ganze Würde ab. Sie nimmt ihm sein innerstes Zentrum. Er wird zentrumslos, seelenlos, ein Roboter.Die richtige Bezeichnung für die moderne Psychologie wäre »Robotologie«, denn sie untersucht nur das mechani- sche Verhalten des Menschen und die Mechanik seines Denkens. Ihre Untersuchungen können nicht sehr tief gehen, denn wenn das Denken alles sein soll und es im Leben nicht mehr gibt als das Denken, dann ist es unmöglich, zu einem ungeteilten Ganzen zu werden.
Das Denken fühlt sich nur wohl, wenn es alles in zwei Aspekte teilen kann. Es kann sich kein Licht vorstellen, wenn es nicht im Gegensatz zur Dunkelheit steht; es kann sich Leben nicht vorstellen, wenn es nicht durch den Tod begrenzt wird.

Der Religion fehlt eine ganz fundamentale Qualität: Der Sinn für Humor. Das ist sehr bedauerlich, denn das hat die Religion krank gemacht.

August 27, 2015

Ich suche immer nach Bestätigung durch andere, weil ich mir meiner selbst nicht sicher bin.Ich bin so sozialisiert worden, dass die Unsicherheit mir zur zweiten Natur geworden ist. Wenn jemand, der Autorität, Macht oder Ansehen besitzt, mich bestätigt, fühle ich mich sicher. Dann weiß ich, dass ich richtig bin. Ich bin nicht in der Lage, allein etwas zu entscheiden, weil ich von frühester Kindheit an alles, was ich auf eigene Faust unternommen habe, als falsch verurteilte und mich dafür bestrafte. Dieses Kind ist immer noch in mir lebendig, nur mein Körper ist erwachsen geworden. Doch mein Denken hängt immer noch irgendwo in der Kindheit fest und sucht nach Bestätigung.Irgendwann muss ich damit aufhören. An dem Tag, an dem ich damit aufhöre, beginne ich zu wachsen. Wenn ich nicht damit aufhöre, bleibe ich ein Kind, bis ich sterbe. Dann kann ich hundert Jahre alt werden und bleibe doch kindisch. Selbst im Sterben werde ich noch nach Bestätigung suchen. Im Augenblick des Todes, wenn der Tod naht, wird sofort der Priester geholt und der gibt mir großartige Ratschläge für das zukünftige Leben. Man erlaubt mir nicht mal, in Freiheit zu sterben. Man hat mir nicht erlaubt, mein Leben in Freiheit zu leben, wie könnte man mir da erlauben, in Freiheit zu sterben?Und eigentlich wäre es mir lieber, wenn ich nicht in Freiheit sterben müsste, denn ich weiß ja nicht … jetzt trete ich in eine unbekannte Dimension ein. Ich brauche jemanden, der Bescheid weiß, der mir Mut machen kann, der mir sagt: »Mach dir keine Sorgen, nur der Körper stirbt. Deine Seele lebt weiter.« Ich kann nicht in Freiheit sterben.Freiheit stellt sich als Begleiterscheinung von Meditation ein.Sobald ich mein inneres Sein zu erkennen beginne, gelange ich zur Einsicht, was zu tun ist und was nicht. Und das kommt von meiner eigenen inneren Stimme, die nur in der Stille vernommen wird. Dann fange ich zum ersten Mal an, mich in Freiheit zu bewegen und in Freiheit zu leben.Solange ich noch Sklave des Kollektivs bin – und insbesondere ein psychologischer Sklave – kenne ich nicht diese Freude, kenne ich nicht diesen Segen. Dann suche ich immer nur nach Bestätigung.Es kann aber niemand die Quelle der Bestätigung für mich sein, noch kann irgendeine Schrift die Quelle der Bestätigung sein. Ich will auf meine eigene innere Stimme hören und danach leben.

Durch Laufen werde ich authentisch, so authentisch, wie Tiere es sind.

August 22, 2015

Selbst Spiegelbilder sind schön, denn sie sind der Abglanz der absoluten Schönheit. Die Welt ist ebenfalls schön, denn sie ist ein Spiegel des Tao. Ich nenne die Welt also nicht häßlich! Wie kann das Spiegelbild häßlich sein, wo es doch das Göttliche spiegelt? Die also, die die Welt häßlich nennen und ihr den Rücken kehren, sind absolut im Irrtum. Denn wenn ich diese Welt ablehne, lehne ich innerlich auch meinen Schöpfer ab. Aber ich wende mich nicht ab! Das Gesicht einer Frau ist schön, denn es spiegelt etwas. Das Gesicht eines Mannes ist schön, der Körper ist schön, denn sie spiegeln etwas. Die Bäume sind schön, die Vögel sind schön, denn sie spiegeln etwas. Das Spiegelbild ist so schön — was soll ich erst über das Original schreiben? Ich bin also nicht gegen die Welt. Ich liebe die Welt so sehr, ich liebe das Spiegelbild so sehr, daß ich das Original sehen möchte. Ich liebe dieses Spiegelbild so sehr, daß ein Wunsch entsteht, das Original zu sehen, den vollen Mond am Himmel zu sehen. Ich verlasse dieses Spiegelbild nicht, weil ich dagegen bin, ich verlasse dieses Spiegelbild nur, weil ich nach dem suche, was sich in ihm widerspiegelt. Ich bin nicht gegen die Liebe; meine Andacht ist nicht gegen die Liebe. Ich habe solche Schönheit in der Liebe erfahren, daß ich jetzt tiefer gehen möchte. Andacht ist die tiefste Form der Liebe. Ich habe im Spiegelbild so viel erkannt und es ist so schön, so duftend, eine solche Musik ist darin, daß jetzt ein Verlangen entstanden ist, den Ursprung kennenzulernen. Und wenn das Spiegelbild so harmonisch ist, was für eine Harmonie muß da in der ursprünglichen Quelle sein! Ich bin niemals gegen irgendetwas. Ich bin für etwas, aber nie gegen etwas. Ich bin für Tao, aber nie gegen die Welt, denn schließlich gehört die Welt zu Tao. Wenn ich mein Gesicht in einem Spiegel sehe, und es ist schön, sollte ich dann gegen den Spiegel sein? Wirklich, ich sollte dankbar sein, daß er mich gespiegelt hat. Ich will mich aber nicht an den Spiegel halten; ich will mich auf die Suche nach mir machen, der ich im Spiegel zu sehen war. Ich werde den Spiegel verlassen müssen, aber nicht, weil ich gegen ihn bin. Ich werde mein Gesicht vom Spiegel wegwenden, nicht, weil ich gegen ihn bin. Ich werde ihm dankbar sein, weil er etwas gespiegelt hat, das so schön war, daß ich jetzt hingehen und die ursprüngliche Quelle finden muß!
Es gibt immer einen auslösenden Punkt, an dem das Alte verschwindet und das Neue beginnt, wo ich wiedergeboren werde. Und das ist ein inneres Phänomen — innen ist es das gleiche: alles wird durch die Bewußtheit gesehen — Nicht-Denken ist ein Spiegel.

Wenn ich bloß spiele, statt zu arbeiten, kommt alles ganz von selbst ins Lot

August 20, 2015

Ich finde mich mit der Wirklichkeit ab; ich akzeptiere sie so, wie sie ist. Ich stelle keine Ansprüche. Ich habe kein Anspruchsdenken. Ich sage nicht: „So und so hätt ich’s gern.” Ich sehe mir die Tatsachen an und sage: „Aha, so ist das.” Dieses Mich-Abfinden mit der Wirklichkeit macht es mir unmöglich, unglücklich zu sein. Denn Unglück kommt nur, wenn ich Ansprüche stelle. Tatsächlich ist Unglück nichts weiter als ein Zeichen dafür, daß ich gegen die Wirklichkeit verstoße. Und an der Wirklichkeit kann ich keinen Deut ändern; ich werde mich von der Wirklichkeit ändern lassen müssen. Ich werde mich mit ihr abfinden, ich werde mich ihr fügen müssen.
Genau das ist die Bedeutung von „Tao”: Ich werde mich fügen müssen. Die Wirklichkeit kann sich nicht fügen, die Wirklichkeit ist, wie sie ist. Solange ich mich nicht füge, werde ich leiden. Der Urheber meines Unglücks bin ich, weil ich mich immer noch wehre. Das ist so, als würde die Strömung des Flusses dem Meer zustreben, ich aber versuche flußaufwärts zu schwimmen. Dann habe ich das Gefühl, der Fluß sei gegen mich. Der Fluß ist nicht gegen mich, er hat noch nicht mal von mir gehört, er weiß überhaupt nichts von mir. Der Fluß strömt einfach nur dem Meer entgegen. Es ist das Wesen eines Flußes, zum Meer zu fließen und sich in es zu ergießen.
Ich aber versuche, flußaufwärts zu schwimmen. Und womöglich gibt es da ein paar Dummköpfe, die am Ufer sitzen oder stehen und mich ständig anfeuern: ‚Weiter so! Du schaffst das! Mach dir nur keine Gedanken, denn früher oder später wird der Fluß zurückstecken müssen. Du bist einfach toll, gib nur nicht auf! Alle Gewinner haben den Fluß bezwungen.” Es gibt immer Narren, die mich anfeuern, die meinen Kampfgeist noch anheizen.
Aber kein Mensch konnte je flußaufwärts schwimmen. Früher oder später gewinnt der Strom doch. Aber wenn ich erst tot bin, kann ich die Seligkeit nicht mehr genießen, die zu Lebzeiten möglich gewesen wäre. Die Seligkeit des Nachgebens, der Akzeptanz, des Einswerdens mit dem Strom – so sehr, daß jeder Konflikt wegfällt.
Aber diese Narren am Ufer werden dann sagen: “Jetzt hast du klein beigegeben, bist du besiegt, bist du ein Versager!” Ich höre nicht auf sie. Ich genieße einfach die innere Freiheit, die mit dem Nachgeben entsteht. Ich höre nicht auf sie.
Als ich aufhörte, flußaufwärts schwimmen zu wollen, sagten alle, die mich kannten: „Du bist ein Schlappschwanz, du bist ein Versager, du hast dich unterkriegen lassen!”
Ich höre nicht auf das, was andere sagen. Ich halte mich an mein inneres Gefühl. Ich spüre, was da mit mir vor sich geht. Wenn es sich gut anfühlt, mich von der Strömung tragen zu lassen, bin ich auf dem rechten Weg. Dann ist das für mich das Tao. Ich höre auf niemanden, ich höre nur auf mein eigenes Herz. Ich akzeptiere, ganz gleich was da ist.
Genau darauf kommt es an: Ich muß mich in den Willen der Existenz, den Willen des Alls ergeben – und lernen, damit zu leben. Darin liegt die ganze Kunst. Ich akzeptiere, was immer da ist; ich stelle keine Ansprüche und hoffe auf kein Paradies.
Ich akzeptiere die Wirklichkeit so, wie sie ist – und lerne, in ihr zu leben, mit einem akzeptierenden Herzen, mit einem kapitulierenden Ego.

Taoismus — der Weg für Menschen, die sich nicht anstrengen wollen

August 16, 2015
Im Herbst des Jahres 1977 kreuzte der Taoismus meinen Weg, um mir zu erzählen, dass es sich bei allem, worin ich bis dahin glaubte, schlichtweg um eine Filmgeschichte handelt. Dass die Erde nicht flach, sondern rund ist, das wusste ich bereits. Aber dass kein Unterschied besteht zwischen dem, was ich bis dahin für mich selbst und den Rest der Welt gehalten hatte, das war neu für mich.
Die „Person“ ist nur eine Vorstellung und ich kann meine Angst, meine Schuldgefühle und die ewigen Zweifel getrost fallen lassen. Ein gewagtes Thema, das ziemlichen Widerstand aufkommen läßt. Denn Verstehen ist etwas absolut Natürliches. Ich brauche dafür eigentlich nichts zu tun. Mehr noch: Alles, was ich probiere dafür zu tun, hält mich gerade in der Gefangenschaft der Vorstellung, dass es so etwas wie den Macher wirklich gibt.
Der Taoismus hat bei mir einen Knoten zum Platzen gebracht. Infolgedessen stehe ich viel leichter im Leben. Entspannt im Hier und Jetzt sein kann ich auch. Deswegen höre ich jetzt auf zu schreiben, was aber eigentlich durch das, was gerade jetzt dafür sorgt, dass du diesen Blogeintrag auch lesen kannst, geschrieben wurde…Bewusstsein….

Urvertrauen in das Ganze, und Herzensweisheit, die “weiss” sollte nicht mit Naivität oder Dummheit verwechselt werden

August 15, 2015

Der Taoismus ist die Lehre Laotses vom rechten Weg des Menschen nach dem ewigen Naturgesetz, dem Tao.
Li Bej jang – mit dem Ehrentitel Lao tse – lebte zwischen 570 und 490 vor Chr. in China. Seine Lehre schrieb er nieder im Dau dej djing, dem Buch “vom Weltgrund und der Tugend”. Dau ist gleichbedeutend mit Tao und bezeichnet das Urwesen, das Weltgesetz, Ausgang, Weg und Ziel allen Weltgeschehens, nicht wahrnehmbar, weil “ätherhaft” beschaffen.

Wer nicht mehr im Unergründlichen gründen kann, der lebe aus seines Herzens Ursprünglichkeit.

Wer seines Herzens Ursprünglichkeit verlor, der lebe aus der Liebe.

Wer nicht mehr liebend zu leben vermag, der handle wenigstens gerecht.

Wer selbst dies nicht mehr kann, der lasse sich von Brauchtum und Sitte bändigen.

Das Abhängigwerden von der öffentlichen Moral ist aber die unterste Stufe der Sittlichkeit, schon Ausdruck des Zerfalls.

Wer dann noch glaubt durch Verstandesbildung einen Ausgleich für die Herzensbildung schaffen zu können, der ist ein Tor.

Darum merke dir:

Der echte Mensch folgt seinem innersten Gesetz und keinem äußeren Gebot, er hält sich an den Quell und nicht an die Abwässer, er meidet diese und sucht immer das Ursprüngliche.

Der Verstand ist ein perfekter Diener, aber ein fürchterlicher Meister.
“En arche en o logos …” wird oft und in meiner Sicht missverständlich übersetzt mit “Am Anfang war das Wort …”. Ich finde es erheblich klarer, zu sagen “Am Anfang war ‘Geist’ (oder meinetwegen auch ‘formloses Bewusstsein’) …”Übrigens, die indogermanische Sprachwurzel von “logos” findet sich im deutschen “Licht”. Und Licht scheint mir auch aus physikalischer Sicht eine Art Brücke zwischen Geist und Materie zu sein.

Geht das den ganzen Heimweg lang so weiter?

August 10, 2015

Einsicht genügt völlig, aber wie gelange ich zur Einsicht? Die Einsicht wird von Unrat verdeckt. Der Diamant ist zwar vorhanden, aber er verbirgt sich unter Abfall und Schmutz. Der Schmutz muß aus dem Weg geräumt werden, erst dann kommt der Diamant zum Vorschein. Wenn ich direkt zur Einsicht gelangen könnte, wäre die Sache sehr einfach, dann könnte ich jederzeit glückselig werden. Aber ich bestehe aus unzähligen Schichten der Unterdrückung. Ich habe meine Angst unterdrückt, ich habe meine Wut unterdrückt. Ich habe meine Liebe unterdrückt, ich habe meine Sexualität unterdrückt — ich habe meine Gefühle unterdrückt. Die Einsicht ist vorhanden, aber was ich unterdrückt habe, muß erst Schicht um Schicht losgelassen werden. Das gibt mir noch keine direkte Einsicht, sondern räumt nur die Hindernisse aus dem Weg, so daß ich an meine Ein- sicht herankommen kann. Die Einsicht ist schon vorhanden, sie wohnt jedem Menschen inne. In- tuition, Instinkt, Intelligenz sind eingebaut, angeboren, aber dicke Staubschichten haben sich auf diesen Fähigkeiten angesammelt. Der Rosenstrauch ist schon vorhanden, aber er wird völlig vom Unkraut überwuchert. Dieses Unkraut muß entwurzelt werden, mit großer Geschicklichkeit und Sachkenntnis, denn es besteht die Gefahr, daß ich den Rosenstrauch dabei mitherausreiße. Und es gibt eine Menge Unkraut, aber nur einen Rosenstrauch. Ich muss also herausfinden, was Unkraut ist und was die Rosen sind. Die Rosen muß ich beschützen und das Unkraut muß ich entfernen. Und diese Arbeit muß mit größter Sorgfalt erledigt werden, denn die Wurzeln des Unkrauts sind mit den Wurzeln der Rosen verflochten. Wenn ich nicht äußerst vorsichtig ist, kann es sein, daß die Rose ebenfalls zerstört wird. Die Fähigkeit zur Einsicht ist schon vorhanden, muß aber erst freigelegt werden.

Es kommt aus einer unbekannten Quelle

July 31, 2015
Die große Anziehungskraft, die Drogen im Westen haben, kommt nur daher, weil der Westen es geschafft hat, die rechte Hemisphäre völlig lahmzulegen – durch die Schulpflicht. Der Westen wurde zu gebildet, d.h. er ging bis zum Äußersten und wurde extrem einseitig. Jetzt scheint es nicht mehr weiterzugehen. Solange in den Universitäten und Schulen nicht die Möglichkeiten geschaffen werden, die rechte Hemisphäre des Gehirns wieder neu zu beleben, solange werden die Drogen nicht verschwinden. Es ist nicht möglich, Drogen nur durch Gesetze zu verbieten. Es funktioniert nicht, das zu erzwingen, solange nicht das innere Gleichgewicht wiederhergestellt ist. Die Anziehungskraft der Drogen besteht darin, daß sie sofort umschalten – die Energie geht von der linken in die rechte Hemisphäre des Gehirns. Das ist alles, was eine Droge machen kann. Alkohol bewirkt das seit Jahrhunderten, aber heute stehen weit bessere Drogen zur Verfügung: LSD, Marihuana, Psilocybin. Und in Zukunft wird es sogar noch bessere Drogen geben. Und kriminell sind nicht die Drogenkonsumenten, kriminell sind die Politiker und die Erzieher. Sie sind daran schuld. Sie haben den menschlichen Geist in solch ein Extrem gezwungen, daß jetzt das Bedürfnis entstanden ist, dagegen zu rebellieren. Und das Bedürfnis ist gewaltig! Aus dem Leben der Menschen ist die Poesie verschwunden, die Schönheit ist verschwunden, die Liebe ist verschwunden. Geld, Macht und Einfluß sind die einzigen Ziele geworden. Wie lange kann die Menschheit ohne Liebe, ohne Poesie, ohne Freude und ohne Feiern weiterleben? Nicht lange. Und die neue Generation erweist der Welt einen großen Dienst, indem sie überall die Dummheit der sogenannten Erziehung aufzeigt. Es ist kein Zufall, daß Drogenkonsumenten fast immer auch zu Aussteigern werden. Sie verschwinden von den Hochschulen und Universitäten. Es ist kein Zufall – es ist Teil derselben Rebellion.